Normalerweise warte ich, bis Kameras wie die Nikon ZR im Laden stehen. Aber die Early-Hate-Welle triggert mich: Hinter dem RED-Codec und der Kompaktheit steckt pure Strategie-Gold. Der Fehler liegt darin, dass man diese Kamera nur aus einer begrenzten Perspektive anschaut. Doch gerade wir Fotografen sollten doch den Perspektivwechsel beherrschen. Warum Nikon damit den Markt umkrempelt? Die Ankündigung der Nikon ZR am 10. September 2025 war mehr als nur die Vorstellung einer neuen Kamera. Sie war ein strategisches Statement. Denn die ZR ist nicht nur Nikons erste echte Cinema-orientierte Kamera – sie ist auch Teil einer tiefergehenden Allianz mit RED Digital Cinema.
Nikon ZR
Nikon ZR Cinema Kamera

Nikon ZR, RED & das Z-Bajonett – eine strategische Allianz

Mit der Nikon ZR ist nicht nur eine neue Kamera vorgestellt worden – sie ist gleichzeitig ein Signal, wie Nikon und RED den Kameramarkt künftig enger miteinander verzahnen wollen.

Seit seiner Einführung 2018 gilt das Nikon Z-Bajonett als eines der modernsten Anschlusssysteme für spiegellose Kameras. Es überzeugt mit: - einem großen Durchmesser von 55 mm, - einem sehr kurzen Auflagemaß von nur 16 mm, - und hoher Flexibilität für unterschiedlichste Objektivkonstruktionen. Gerade in diesem Punkt schlägt Nikon mit seinem Z-Mount sämtliche Mitbewerber, der PL-Mount und der EL-Mount haben lediglich einen Durchmesser von 54mm. Dieser eine Millimeter ist jedoch der entscheidende Vorteil er bietet nämlich 89mm2 mehr Platz für Verzeichnungskorrektur. Was man für diesen grösseren Z-Mount mehr optisches Glas benötigt, spart man beim geringeren Auflagemaß wieder ein, denn die chromatische Aberration wirkt sich bei diesem Auflagemaß weniger stark auf das Ergebnis aus. Die chromatische Aberration entsteht durch den Brechungsindex von Glas, dieser muss bei hochwertigen optischen Systemen durch den Einsatz Gläser mit unterschiedlichem Brechungsindex (Kronglas,Flintglas) ausgeglichen werden. Doch was den Ingenieuren am für mehr Rechenarbeit sorgt, ist der Weg des Lichtes in dem sie kein Glas durchdringen. Es sind die Streukreise welche möglichst gering gehalten werden müssen, um mehr Schärfe und geringere chromatische Aberration zu erzeugen. 

1. Z-Bajonett als Standardisierung

Was bisher vor allem im Foto- und Hybridbereich genutzt wurde, findet nun seinen Weg ins Cinema-Segment. Denn nicht nur die Nikon ZR setzt auf das Z-Mount, auch die neuen RED V-Raptor und RED Komodo-X unterstützen es. Damit öffnet sich eine neue Ära: Nikon-Objektive – und alle Fremdhersteller, die Z-Mount bauen – sind nun direkt in REDs High-End-Kameras einsetzbar.

RED V-Raptor & RED Komodo-X
RED V-Raptor & RED Komodo-X
  • Die Nikon ZR nutzt selbstverständlich das Z-Bajonett, aber entscheidend ist: Auch die neuen RED Raptor und RED Komodo-X können mit Z-Mount genutzt werden.

  • Damit öffnet sich das Z-Ökosystem erstmals voll für das Cinema-Segment – also genau dort, wo bislang Canon EF, PL oder E-Mount dominierten.

  • Nikon positioniert sich so nicht nur als Kamerahersteller, sondern als Objektiv-Standardgeber im Cine-Bereich.

 

2. Ausbau des Objektiv-Markts

  • Für Nikon bedeutet das: Je mehr Kameras mit Z-Mount existieren, desto größer wird der Markt für Z-Objektive.

  • Besonders spannend: Nischenprodukte wie anamorphotische Objektive. Diese sind bislang teuer, weil die Stückzahlen klein sind.

  • Mit einer wachsenden Nutzerbasis durch RED + Nikon könnte die Nachfrage stark steigen – was wiederum die Preise drückt und mehr Hersteller (Sirui, Laowa, Viltrox, vielleicht auch Nikon selbst) in den Markt lockt.

3. Win-Win für Nikon und RED

  • Nikon gewinnt:

    • Größeres Z-Mount-Ökosystem → mehr Objektivverkäufe

    • Positionierung als Player im Cine-Segment, ohne gleich eine komplette RED-Konkurrenzkamera entwickeln zu müssen

  • RED gewinnt:

    • Zugriff auf ein breites, relativ günstiges Z-Objektivportfolio

    • Zugang zu einem breiteren Marktsegment (z. B. Content Creator, Indie-Filmer), die RED bisher als zu teuer empfanden

    • Mehr Flexibilität für Nutzer, die nicht auf teure PL- oder EF-Cine-Gläser angewiesen sein wollen

4. Der strategische Hebel: die Nikon ZR

Objektivsysteme sind immer nur so stark wie ihre Nutzerbasis. Für Nikon bedeutet die Öffnung zu RED: - Mehr Nachfrage nach Z-Objektiven: Plötzlich interessieren sich nicht nur Fotografen und Hybrid-Shooter, sondern auch Cine-Produktionen und Filmemacher für das System. - Stärkere Marktposition gegenüber Canon EF, Sony E und PL: Wo bisher EF und PL dominiert haben, tritt nun Z-Mount als ernsthafte Alternative auf.
Besonders spannend ist dieser Schritt bei Nischenobjektiven wie Anamorphoten. Diese „Amorphot-Objektive“ sind bisher teuer, weil die Stückzahlen gering sind. Doch wenn sowohl Nikon-ZR-User als auch RED-Filmer das Z-Mount nutzen, steigt die Nachfrage. Das bedeutet:

  • Höhere Stückzahlen → geringere Produktionskosten - Mehr Hersteller (Sirui, Laowa, Viltrox, eventuell Nikon selbst) drängen in den
  • Markt - Preise für Anamorphoten könnten sinken und somit breitere Zielgruppen erreichen. Das Problem bei den Anamorphoten sind nämlich, die hohen Anschaffungskosten für die Werkzeuge für die Fertigung bei zu geringen Stückzahlen.

Die ZR ist quasi die Brückenkamera:

  • Preislich niedrig genug, um viele neue Nutzer ins System zu holen.

  • Technisch nah genug an professionellen Workflows (6K, RED RAW), damit ein Übergang ins RED-System reibungslos funktioniert.

  • Damit wirkt sie als Marktbeschleuniger für Z-Objektive, was langfristig auch die RED-User profitieren lässt.

Fazit: Mehr als nur eine Kamera

Die Nikon ZR ist nicht nur eine technische Neuheit, sondern ein strategisches Puzzlestück. Gemeinsam mit RED treibt Nikon eine Standardisierung des Z-Bajonetts im Cine-Sektor voran. Das Ziel: Größere Stückzahlen bei Objektiven, breitere Marktakzeptanz und sinkende Preise auch in spezialisierten Segmenten wie den Anamorphoten.
Für Filmemacher bedeutet das: Mehr Auswahl, mehr Flexibilität und potenziell niedrigere Einstiegshürden. Für Nikon und RED bedeutet es eine Win-Win-Partnerschaft, die die Grenzen zwischen Foto, Hybrid und Cinema neu definiert.

Kurz gesagt: Die Nikon ZR ist weniger eine einzelne Kamera, sondern Teil einer größeren Strategie – das Z-Bajonett in den Cine-Sektor zu tragen und über Stückzahlen auch spezialisierte Objektive (z. B. Anamorphoten) erschwinglicher zu machen.