Wer kennt sie nicht die Videos auf YouTube, in denen der Redner mit dem Satz beginnt, ich zeige Euch meinen Workflow? Dann öffnet der Redner irgend ein Bildbearbeitungsprogramm. Der Workflow eines Fotografen beginnt schon weit vorher bevor das erste Bild geschossen wurde.
Ein professioneller Fotograf arbeitet selten einfach drauflos. Hinter jedem Foto steckt ein klarer Ablauf, der von der ersten Idee bis zur finalen Bildausgabe durchdacht ist. Dieser Workflow sorgt nicht nur für konsistente Ergebnisse, sondern spart auch Zeit und Energie.
Mit Systematik arbeiten
Eine erfolgreiche Fotoprojekt lebt nicht nur von Kreativität, sondern auch von einer klaren, systematischen Arbeitsweise. Von der Idee bis zur finalen Bildauswahl hilft eine strukturierte Vorgehensweise, Zeit zu sparen und qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erzielen. Kreativität braucht Struktur:
Das IPERKA Modell schafft dieser Struktur.
- I= Information, in dieser Phase beschaffe ich mir die Information.
- P= Planung, in dieser Phase legt man verschiedene Pläne bereit(Moodboard, Checklisten).
- E= Entscheidung, irgendwann muss man sich für einen Plan entscheiden.
- R= Realisierung, den Plan setzt man mit Hilfe der Checklisten um.
- K= Kontrolle, in dieser Phase kontrolliert man die abgeschlossene Arbeit
- A= Auswertung, in dieser wertet man die Arbeit aus, damit die Erfahrung in zukünftige Projekte einfliessen kann.
1. Inspiration und Planung
Am Anfang steht die Idee: ein Moodboard, ein Konzept oder eine konkrete Anfrage eines Kunden. In dieser Phase legt der Fotograf den Stil fest, plant Location, Licht, Requisiten und wählt das passende Equipment aus. Kommunikation mit dem Kunden oder Team ist hier entscheidend, um Erwartungen und Zielsetzung abzugleichen. Bei vielen Aufträgen steckt auch eine Werbeagentur, mit im Team welche ihre Vorstellung auch mit einbringt. Aber es ist auch wichtig schon in der Planungsphase den Druckanbieter zu kennen, damit man hohe Farbtreue hinbekommt.
Normalität ist eine gepflasterte Strasse;
man kann gut darauf gehen - doch es wachsen kein Blumen auf ihr.
Vincent van Gogh
2. Vorbereitung und Organisation
Noch bevor die Kamera klickt, gibt es einiges zu tun: Akkus laden, Speicherkarten formatieren, Objektive und Kameras reinigen. Ein strukturierter Fotograf erstellt oft eine Checkliste, damit am Set nichts fehlt. Auch organisatorische Aspekte wie Modelverträge, Location-Genehmigungen oder Zeitpläne gehören in diese Phase.

3. Das Shooting
Am Set verschmelzen Technik und Kreativität. Der Fotograf wählt Perspektiven, Bildausschnitte und Belichtungen bewusst aus und reagiert gleichzeitig flexibel auf die Situation – sei es wechselndes Licht, spontane Ideen oder Interaktion mit dem Model. Währenddessen werden Bilder oft bereits auf dem Kameradisplay oder einem Laptop kontrolliert, um sicherzustellen, dass die Qualität stimmt.
4. Datensicherung
Nach dem Shooting gilt das oberste Gebot: Backup! Die Rohdateien werden mindestens doppelt gesichert – z. B. auf einer externen Festplatte und in der Cloud. So minimiert der Fotograf das Risiko von Datenverlust. Ich persönlich speichere die Rohdaten meist auf einen Raid-Level 5 Server.
5. Bildauswahl (Culling)
Nicht jedes Foto schafft es in die Endauswahl. Mit spezieller Software sortiert der Fotograf die Aufnahmen: technisch unsaubere oder doppelte Bilder fallen weg, die besten Motive werden markiert. Dieser Schritt erfordert ein geschultes Auge und manchmal auch Geduld.
6. Bildbearbeitung
In Programmen wie Lightroom oder Photoshop folgt die kreative Veredelung: Farbkorrekturen, Kontraste, Retusche von Haut oder störenden Details, eventuell auch Composings. Der Bearbeitungsstil spiegelt die Handschrift des Fotografen wider – ob natürlich, dramatisch, minimalistisch oder kunstvoll.
7. Ausgabe und Präsentation
Am Ende steht die Übergabe an den Kunden oder die Veröffentlichung. Das kann in Form von hochauflösenden Dateien, Online-Galerien, Fine-Art-Prints oder Social-Media-Content geschehen. Viele Fotografen erstellen auch ein Wasserzeichen oder bereiten die Bilder in verschiedenen Formaten auf, je nach Verwendungszweck.
8. Archivierung und Nachbereitung
Zum Abschluss werden die finalen Bilder systematisch archiviert, oft mit Schlagworten und Metadaten versehen. So können sie auch Jahre später noch problemlos wiedergefunden werden. Ein professioneller Fotograf reflektiert außerdem den Prozess: Was lief gut, was lässt sich beim nächsten Mal optimieren?
Fazit
Eine strukturierte Arbeitsweise hilft einem Pannen und Stresssituationen zu vermeiden. Die vergessene Speicherkarte, oder der leere Kamera Akku, damit schiesst man keine tolle Bilder. Denn die schlechtesten Bilder sind immer die welche man nicht geschossen hat. Das ruhige und selbstsichere auftreten, wirkt auch auf die Menschen um einem herum. Gerade wenn ich Menschen fotografiere, wirkt es sich sehr stark auf die Personen aus die fotografiert werden sollen. Wenn ich selbst verunsichert bin verunsichere ich mein Umfeld.
Doch das wichtigste ist immer die Nachbearbeitung, denn ohne diese können sich keine Lernprozesse entwickeln. Es gilt der selbe Fehler dürfen nur einmal gemacht werden.